Kategorie: Aktuell

Erntebericht 2017 des Weinguts Max Ferd. Richter

Am 13. Oktober waren die Trauben des Jahrgangs 2017 gelesen. Einen solch frühen Weinherbst hatte es noch nie gegeben. Vor 20 Jahren begann die Lese erst um diese Zeit.

Die Vegetation setzte bei trocken-warmem Wetter Ende März in den Weinbergen ein. Vier Wochen später hatten die Triebe bereits eine Wachstumslänge von 5–10 cm erreicht. In der letzten Aprilwoche, insbesondere in den frühen Morgenstunden des 20. April, schädigte ein starker Frost diese jungen Triebe so sehr, dass die Aussichten auf einen ertragreichen Jahrgang quasi im Keim erstickt wurden. Eisige Kaltluft hatte sich überall über ein wärmeres Bodenluftpolster gelegt, so dass die von Bodenfrösten typischerweise gefährdeten Anlagen verschont blieben, wohingegen die höher liegenden, zum Teil besten Weinberge, in denen der Austrieb auch am weitesten fortgeschritten war, umso mehr in Mitleidenschaft gezogen wurden. Dieser Kälteeinbruch verursachte in allen europäischen Weinbauländern erhebliche Schäden, so dass 2017 weltweit als das Jahr der kleinsten Weinernte der vergangenen 50 Jahre einzuordnen sein wird.

Zum Glück sind die Nebenaugen der Rieslingreben fruchtbar, so dass sich – begünstigt durch anhaltend trocken–warmes Wetter – die Vegetation partiell erholen konnte und kein Totalverlust wie in vielen Obstanlagen (Äpfel und Kirschen) zu befürchten war. Die Rebblüte verlief problemlos und hochsommerliche Temperaturen im Juni, gepaart mit anhaltender Trockenheit, erforderten beim Pflanzenschutz keine größeren Anstrengungen. Frisch gesetzte Junganlagen hingegen haben wir aufwendig gewässert, um die Pflanzen vor dem Verdursten zu schützen. Darunter befindet sich auch ein Weinberg im „gemischten Satz“ mit historischen Rebsorten, so wie sie im 16., 17. und 18. Jahrhundert an Rhein und Mosel anzutreffen waren. Als der Geschichte verpflichtetes Weingut möchten wir wissen, welche Weine unsere Vorfahren hergestellt und getrunken haben.

Der Monat Juli brachte den bitter notwendigen Regen; allerdings setzte sich diese Regenflut auch im August fort, so dass die Trauben sehr rasch reiften, was in einen historisch frühen Erntebeginn einmünden sollte. Durch den Regenüberschuss wuchsen die Beeren schnell heran, wurden so dick, dass sie gegeneinander pressten, teilweise aufplatzten und „offen“ für allerlei pflanzliche und tierische Schädlinge wurden. Unsere Weinberge sind begrünt, so dass diese Begrünung einen Großteil der Feuchtigkeit aufnehmen konnte und wir kein größeres Fäulnisproblem hatten. Der September war sonnig und trocken und lud zu dem frühen Lesestart ein.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass die Qualität des Jahrgangs 2017 mit einer Fülle hochwertiger Auslesen und edelsüßer Weine bei gutem Fruchtsäurepolster herausragend sein wird, wohingegen die Erntemenge – das macht sich bei den „Brot- und Butterweinen“ (Qualitäts- und Kabinettweine) besonders bemerkbar – sehr klein ist und nicht den betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten gerecht werden kann. Für die Weine des Jahrgangs 2016 haben wir in der Fachpresse erneut große Komplimente erhalten. Wir sind wohl auf einem guten Weg.

Wir wünschen eine frohe und gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und ein gesundes Neues Jahr, Ihre

Dr. Dirk und Constantin Richter

Filed under: Aktuell